Gipsbergwerk PS

 

Hohe Weinberge rechts der Strasse, endlose Mais- und Getreidefelder in leicht gewellter Landschaft links der Bahn.

Kaum Dinge, die den Instinkt eines Normalreisenden auf das Thema Bergbau lenken würden.

Doch weit gefehlt.

Seit über einhundert Jahren wird in dieser landwirtschaftlich geprägten Region Gips und Anhydrit abgebaut, heute zumeist mittels wandernden kleinen Tagebauen, in welchen das oberflächennahe Gipslager hereingewonnen und im Anschluß daran wieder rekultiviert wird.

Zu Maisfeldern z. B..

Doch auch im Tiefbau wurden und werden die mächtigen Gipslager ausgebeutet.

Das größte Bergwerk in diesem Bundesland - welches mit Bergwerken nicht eben überfüllt ist - baut hier seit 1957 unter einem Weinberg Gips und Anhydrit ab, die Streckenausdehnung beträgt über 178 Kilometer!

Abgebaut wird im Kammerbau, gefördert mittels Dumper und Radlader, welche das Haufwerk zu einem untertägigen Brecher bringen. Von dort gelangt das Gipsgestein per Band direkt in die nach über Tage liegende Verarbeitung.

Heute ist dies der einzige unterirdische Gipsgewinnungspunkt, ein neues Gipsbergwerk ca. 40km westlich gelegen und gegenüber dem bestehenden Werk mit der dreifachen Fördermenge geplant soll 2022 aufgefahren werden.

In den 1950er bis 1970er Jahren bauten mehrere kleine Gruben den Gips ebenfalls im Untertagebau ab, meist oberflächennah und mit geringer Überdeckung. Abgebaut wurde schon damals im Kammerbau, welche ausgebeutet im Nachgang teils der Fahrung dienten. Gefördert wurde anfangs noch mit Lorenbahnen und kleinen Radladern, dann setzte sich auch hier die Gleislostechnik durch.

War das Gipslager ausgebeutet, verschloß man den Eingang des Grubengebäudes und ließ Gras über die Sache wachsen.

Oder eben Mais.

So kommt es immer wieder mal vor, daß sich in manchen der Felder urplötzlich kleine Krater öffnen und die Erinnerung an diese heute durch nichts mehr sichtbaren Gruben weckt.

Diesem Umstand ist es zu verdanken, daß auch wir in eine Gipsgrube aus vergangener Zeit einfahren und diese dokumentieren konnten.

Die in einen jüngeren und einen älteren Bereich aufgeteilte Grube besitzt etwa 1000m befahrbare Streckenlänge. Die Überdeckung beträgt 4 - 7 Meter, die Baue haben einen Querschnitt von durchschnittlich 3x3 Meter.

Im älteren Teil der Grube haben sich die Gleise der Lorenbahn erhalten, im "moderneren" Teil fand sich ein Sprengstofflager sowie in der Fahrstrecke Reste elektrischer Beleuchtung.

Heute ist der Erdfall wieder verfüllt, die alte Gipsgrube hat wieder Ruh.

Bis zum nächsten Tagesbruch.

 

Kurzes Befahrungsvideo:

Die alte Gipsgrube

 

Bilder aus dem älteren Teil des Grubengebäudes, 

freundlicherweise von Kumpel Flo zur Verfügung gestellt :