Verhaltensempfehlungen im Altbergbau

 

Das Betreten von Altbergbau ist in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt und oft eine rechtliche Grauzone.

Meist jedoch ist das Betreten des Altbergbaus durch Unbefugte bereits aus Haftungsgründen verboten.

Oft befindet sich der Altbergbau innerhalb von Privat - bzw. Firmengrundstücken, hier sollte man sich unbedingt vor dem Betreten mit dem Grundeigentümer absprechen.

Gerne wird ehemaliges Bergbaugelände als Naturschutzgebiet ausgewiesen, was schon ein Verlassen der Wege verbietet und bei Nichtbeachtung mit Strafverfolgung geahndet werden kann.

 

Solltest du aller Warnungen zum Trotz dennoch in ein altes Bergwerk einfahren, beachte bitte folgendes um dir selbst und anderen die Freude am Altbergbau nicht zu verderben:

 

Komme und gehe so unauffällig und ungesehen wie möglich, selbst wenn du eine Genehmigung des Grundeigentümers, der Naturschutzbehörde, des zuständigen Bergamtes oder wem auch immer haben solltest.

 

Befahre niemals alleine ein altes Bergwerk!

 

Zerstöre nichts, brich nichts auf, lass außer deinen Fußspuren nichts zurück (z. B. deinen Müll) und nimm nichts mit (z. B. Bergbauutensilien, Sinter).

 

Führe mindestens drei voneinander unabhängige Lichtquellen zur  Befahrung mit.

Natürlich auch genügend passende Reserveakkus oder Batterien.

Alte Batterien und anderen Müll bitte nicht Untertage entsorgen,

was man rein trägt kann man auch wieder mit nach draussen nehmen.

 

Im Gegensatz zu einem Spaziergang durch die Fußgängerzone bewegt man sich in einem alten Bergwerk dreidimensional.

Soll bedeuten, das alle Sinne, Augen und Ohren* stets auf jeden einzelnen Schritt gerichtet sein sollten und du auch alle paar Meter die Firste (der Teil über deinem Kopf) beachtest und einschätzt.

Trotz Vertrauen zum neuen Helm.

 

Benütze keine alten Fahrten (Leitern) aus Holz!

Auch wenn diese noch gut aussehen und die ersten Sprossen halten, spätestens die vierte Sprosse gibt nach, gesehen aus der ungünstigsten Richtung!

Eiserne Fahrten sind zwar deutlich langlebiger, jedoch auch bruchanfällig.

Vorsicht auch bei hölzernen Bühnen oder Abdeckungen auf der Sohle, welche im Laufe der Zeit oft mit einer Schicht Geröll überdeckt wurden und auf den ersten Blick nicht immer erkennbar sind. 

(*Hier kommen die Lauscher zum Einsatz)

Respekt sollte auch hölzernen Rollen(schnauzen) gezollt werden, diese könnten plötzlich und ohne Vorwarnung durchbrechen und mit ihrem Inhalt den kompletten Streckenquerschnitt verschließen.

Generell sollte man altem Holzausbau - gleich welcher Art - keinerlei Vertrauen schenken.

Auch künstlich errichtete Seitenwände - z. B. Trockenmauerwerk - sollten immer kritisch beäugt werden.

Meist befinden sich dahinter zig Tonnen loses Gestein, welches gegen die Wände und somit in Richtung der Strecke drückt.

Meide Bereiche, in denen solche Wände eine deutliche Bauchbildung zeigen!

 

Beim Passieren von gefährlichen Stellen ausreichend Abstand zum Mitbefahrer einhalten!

 

Vor längeren Befahrungen kann es nützlich sein, sich über den aktuellen Wetterbericht zu informieren. Besonders in klüftigem Gebirge kann starker und andauernder Regen schnell nach Untertage durchdringen, Strecken überfluten und dir eventuell den Rückweg abschneiden.

Beim Fahren durch überflutete Strecken auf Untiefen im Wasser achten!

 

Wenn du in einer Strecke, einem Abbau, einem Schacht oder einem Stollen ohne besondere körperliche Belastung plötzlich einen Schweißausbruch, erhöhten Puls oder/und Kopfschmerzen bekommst, ist dies meist ein Zeichen völlig fehlender Bewetterung und möglicherweise einer dadurch verursachten Ansammlung von gesundheitsschädlichen Gasen.

In diesem Falle solltest du sofort, jedoch ohne Hast oder Panik den Rückweg antreten.

 

Zur Orientierung Untertage benütze Papierpfeile (die verrotten mit der Zeit) oder reflektierende Folienpfeile, die du an Abzweigungen oder bei einem Richtungswechsel gut sichtbar ablegst und auf dem Rückweg natürlich wieder einsammelst.

Eine gute Lösung zur Orientierung ist auch die Errichtung von Steinzeichen (Steinmännchen).

Auf keinen Fall solltest du Farbpfeile oder dergleichen mit einer Spraydose an die Wände sprühen! Dies ist ein absolutes "No go"!

 

Hinterlasse immer bei einer Person deines Vertrauens wo du eingefahren bist, wieviele Personen an der Befahrung teilnehmen und wie lange du denkst, Untertage zu bleiben.

Untertage vergeht dein Zeitgefühl schnell, wirf hin und wieder einen Blick auf deine Uhr.

Unterrichte deine Vertrauensperson auch darüber, wen sie im Notfall alarmieren soll.

Als Nothelfer sollten nach Möglichkeit immer zuerst gute Bekannte oder Freunde mit Kenntnis der Materie fungieren.

Ist dies nicht möglich, müssen offizielle Retter ran.

 

Setze die Alarmierungszeit nicht zu knapp -  Faustregel ist hier die angenommene Befahrungszeit plus 2-3 Stunden -, sonst könnte es für dich teuer werden, wenn deine Vertrauensperson zu einer offiziellen  Rettungsaktion bläst nur weil deine Rückmeldung seit 30 Minuten überfällig ist.

Da sind dann mal schnell etliche tausend Euronen fällig, ganz zu schweigen von dem Ärger mit den Behörden den du dann hast.

Brich die Befahrung also besser ab und mache dich auf den Weg nach Übertage, wenn du merkst, das die geplante Befahrungszeit analog zur Alarmzeit nicht ausreichen wird.

Bedenke bitte, daß normale Handys und anderer satellitengestützter Kram Untertage nicht funktionieren, schon gar nicht im Altbergbau.

 

Die Fledermausschutzzeit vom 1. Oktober bis 31. März und ein damit einhergehendes Betretungsverbot aller unterirdischen Hohlräume sollte ebenfalls beachtet und toleriert werden!

 

Die Gefahren in einem Altbergbau können so vielfältig sein, das es den Rahmen sprengen würde hier alle aufzuzählen.

Das Beste ist natürlich, bei einer Befahrung immer aufmerksam zu sein, nichts zu riskieren und nach der glücklichen Ausfahrt gleich bei der Vertrauensperson Meldung zu machen. 

Einen Stollen oder andere Teile eines stillgelegten Bergwerkes aus Unsicherheit oder wegen eines schlechten Bauchgefühles nicht zu befahren hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern zeichnet vorhandenes Verantwortungsbewußtsein sich selbst und anderen gegenüber aus.

Denn alte Bergwerke sind keine Abenteuerspielplätze und schon gar keine Orte für pupertäre Mutproben. 

 

Beherzigst du diese Empfehlungen und achtest darauf,

das Nichts und Niemand zu Schaden kommt,

wirst du und die Befahrer nach dir

immer Freude an euren Befahrungen haben.

 

So, genug Moral gepredigt!

 

Glück auf!

 

 

Wer sich näher mit dem Thema Altbergbau befassen möchte, dem empfehle ich das Befahrerhandbuch von www.untertage.com.

Es enthält viele nützliche Tips und Anregungen zu fast allen Bereichen der Altbergbauforschung.

Wenn auch leicht sächsisch geprägt, findet dieses Werk durchaus auch Anwendung im Rest der Republik.

 

Der Link zum kostenlosen Download:

 

http://www.untertage.com/downloads/category/1-dl-das-befahrerhandbuch.html

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