Schiefergrube Staatsbruch Lehesten

Ab 1300 ist der Abbau von Schiefer in kleinerem Umfang erwähnt.

Die Verwendung von Dachschiefer aus Lehesten ist ab dem Jahr 1465 belegt.

Anfangs wurde der Schiefer von Eigenlehnern in kleinen Brüchen abgebaut.

Mit der Zeit wuchsen die nahe beieinander liegenden Eigenlehnerbrüche zu einem großen Schieferbruch zusammen.

1792 besuchte Alexander von Humbold auf einer seiner Forschungsreisen den Schieferbruch.

Nachdem der Schieferbruch ab 1804 von der Landesregierung Saalfeld - Coburg als "Herrschaftlicher Schieferbruch Lehesten" geführt wurde, fiel das Gebiet 1826 an das Herzogtum Sachsen-Meiningen und wurde nun "Herzöglicher Schieferbruch Lehesten" genannt.

1918 hatte der Herzog von Meiningen abgedankt, der Bruch wurde daraufhin "Staatsschieferbruch Lehesten" genannt.

1927 wurde auch mit der Untertageförderung begonnen, was die Schieferproduktion positiv beeinflußte, da die Gewinnung im Tagebau in den oft strengen Wintern unterbrochen werden mußte.

In der Blütezeit des Schieferabbaues waren im zuletzt 20 Hektar großen Tagebau und den angeschlossenen Spalthütten bis zu 2500 Beschäftigte tätig.

Um den bis dahin nicht bebauten, hochwertigen Schiefer im sogenannten Loquitzpfeiler abbauen zu können, wurde die mitten durch den Bruch fließende Loquitz 1956 über einen 1,6 km langen Stollen umgeleitet.

Hergestellt wurden Dach-, Wand- und Tafelschiefer. Der in alle Welt gelieferte Schiefer wurde ob seines bläulichen Schimmers auch das "Blaue Gold von Lehesten" genannt.

1973 wird der untertägige Schieferabbau vorübergehend eingestellt.

Seit 1975 wurde der Schiefer dann ausschließlich Untertage gewonnen und der Betrieb im offenen Bruch aufgegeben.

Nach Beendigung des Schieferabbaues 1999 wurde als touristische Attraktion der ca. 105 Hektar umfassende "Schieferpark Lehesten" geschaffen. Von 2001 bis 2007 war es sogar möglich, als Besucher mit dem Förderkorb über Schacht 4 bis zur ersten Sohle einzufahren, um hier original erhaltene Arbeitsstellen und Geräte der Schieferbergleute zu besichtigen.

Streitigkeiten um die hohen Kosten der Wasserhaltung und in Folge ein Abschalten der Pumpen schufen Fakten und ließen so eine touristische Chance für die ohnehin strukturschwache Region buchstäblich absaufen.

Neben dem Besucherbergwerk und einer über 30m hohen, handgeschrämmten Wand im Tagebau wurde durch die Flutung ein montanhistorisches Erbe unwiederbringlich schwer geschädigt, gleich einem kulturellen Verlust.

Selbst der in die Bruchwand eingelassene historische Göpelschacht nebst einem Kamin einer ehem. Dampfmaschinenanlage steht nun im unteren Teil im Wasser.

Hier im Staatsbruch wäre eine fast lückenlose Dokumentation der Schiefergewinnung und seiner Verarbeitung über mehrere Jahrhunderte möglich gewesen.

In dem weitläufigen Freigelände können ein am Originalstandort erhaltener Pferdegöppel, eine Spalthütte, Gerätschaften sowie einige historische Gebäude und das Maschinenhaus und Fördergerüst von Schacht 4 besichtigt werden.

Noch - denn auch letzterem droht in ein paar Jahren der Abriss, wird nichts investiert.

Das gesamte Schieferparkareal ist seit 2001 Naturschutzgebiet, in dem großen Tagebau entstand nach Abschalten der Pumpen ein 40 Meter tiefer See.